Ralf Ritter Kuenstler
Dinge, die ich besitze weil jemand starb
Knochenleim, Dispersion, Tinte auf Leinwand auf Holz, fünfteilig, je 44 x 37,5 cm, 2007

Eine Geschirrspülmaschine, ein Süßstoffspender, ein Schuhputzautomat, ein Kochtopf und eine Reisetasche – Gebrauchsgegenstände aus dem Leben zweier Menschen, die gestorben sind. Keine Erinnerungsstücke, keine Wertsachen, nichts Persönliches, nichts Ungewöhnliches. Dinge, die bleiben, während ihre Besitzer verschwinden. Unsentimentale Überbleibsel, ernüchternd in ihrer Ausdruckslosigkeit und Banalität.
Mit Hilfe eines aufwendigen und eigens für diesen künstlerischen Zweck entwickelten Umdruckverfahrens werden die Dinge in einen anderen Zustand transferiert. Wie Nachbilder oder verblasste Erinnerungen schweben sie in den Arbeiten von Ralf Ritter, ihrer körperlichen Präsenz beraubt und in eine scheinbar gasförmige Hell-Dunkel-Existenz verwandelt.
Über den komplizierten manuellen Vorgang des Ausdruckens und Umdruckens, über die Verwandlung in ein Bild wird den bedeutungslosen und unpersönlichen Dingen eine Aura verliehen, so als seien sie Reliquien oder Ikonen, die Abwesende repräsentierten. Doch was erzählen die Dinge über ihre einstigen Besitzer? Nichts. Vielleicht geht es gerade darum: Etwas zu würdigen, ohne es zu bewerten. Eine Erinnerung zu bewahren, ohne sie mit Bildern oder Anekdoten zu füllen, zu übertünchen. Ein Requiem zu komponieren für jemanden, über den man überhaupt nichts weiß.
(Silke Müller)

 

Things I Own Because Someone Died
Knochenleim, Dispersion, Tinte auf Leinwand auf Holz, fünfteilig, je 44 x 37,5 cm, 2007

A dishwasher, a sweetener dispenser, an automatic shoe polisher, a cooking pot and a suitcase - articles of daily use from the lives of two persons who have passed away. They are not keepsakes, of no value, are nothing personal or unusual. Things that remain, after their owners have disappeared. Unsentimental leftovers, disheartening in their meaninglessness and banality.
The objects are transported into another state with the help of an elaborate transferential process which was especially developed for this artistic application. Like a replicate or a faded memory they are afloat in Ralf Ritter's works, robbed of their physical presence transformed into an apparent aerial existence between light and darkness.
An aura is bestowed upon the objects through the complicated manual procedure of printing and transferring, owing to their transformation into a picture, it is as if they have become relicts or icons representing the departed. But what do these things say about their former owners? Nothing. Perhaps it is about just about: honoring something without judging it. To preserve a memory, without filling it with pictures or anecdotes, without painting it over. Composing a requiem for someone you know nothing about.
(Silke Müller)